St. Anna-Treff Schwerin, 11.11.2026, 19.30 Uhr
Ort: Bernhard-Schräder-Haus, Klosterstr. 26, 19053 Schwerin
Referent: Prof. Dr. Thomas Brose, Berlin
Wahrheitssuche und freies Handeln, so Günter de Bruyn in einem viel diskutierten Rede-beitrag auf dem X. Schriftstellerkongress der DDR 1987, vertragen sich nicht mit einer verordneten Bücherzensur. Eine Gesellschaft, die Denkverbote erteilt, wecke eher grund-sätzliche Zweifel an ihrer Reformfähigkeit. Wie groß diese Zweifel bei de Bruyn selbst gediehen waren, belegt das Schicksal seiner Satire „Neue Herrlichkeit“.
Der Roman erschien den Oberzensoren so unerhört und gefährlich, dass die bereits gedruckte Erstauflage von 20.000 Exemplaren eingestampft wurde. Erst nachdem das Buch 1984 im Westen erschienen war, konnte es dann mit einjähriger Verzögerung auch im Osten Deutschlands publiziert werden.
Wo liegen die Wurzeln für die Widerständigkeit eines Schriftstellers, der sich in ein ländliches „Abseits“ zurückgezogen hatte, wo er – schwer erreichbar für die Behörden – lebte? Die Zeitenwende zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Neubeginn nach 1945, die der Autor glänzend in seiner Zwischenbilanz beschreibt, erlebte de Bruyn als Abfolge von Konflikten, Ängsten und Anfechtungen – aber auch als „Training im Ich-Sagen“. Eher ungewollt entwickelte sich der Autor immer stärker auch zum politischen Schriftsteller, der dem vormundschaftlichen Staat mit seiner existentiellen Wahrheitssuche in die Quere kam.
Der Referent: Prof. für Philosophie in Berlin, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Präsident der Guardini-Stiftung













